IBB Dortmund
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Stärkung des Selbsthilfepotenzials von Menschen mit Behinderung in der ostukrainischen Region Charkiw

Im April 2014 starteten DUN, IBB und die Geschichtswerkstatt Tschernobyl gemeinsam ein neues Projekt zur Stärkung des Selbsthilfepotenzials von Menschen mit Behinderung in der ostukrainischen Region Charkiw. Im Rahmen des von „Aktion Mensch“ geförderten Projekts werden erstmals die Verbände der Tschernobyl-Liquidatoren und Behindertenorganisationen eng zusammenarbeiten. Denn obwohl die Hälfte der Tschernobyl-Liquidatoren als behindert gilt, tauschen sie sich bisher kaum mit anderen behinderten Menschen aus. Dabei teilen sie viele soziale Probleme.

Beschäftigungsmodelle für Menschen mit Behinderung

So bemühen sich viele Liquidatoren und andere Menschen mit Behinderung vergeblich um eine Beschäftigung. Auch die gesetzlich bestehende Möglichkeit, soziale Unternehmen zu gründen und hierfür staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wird bisher von Behindertenorganisationen nur unzureichend genutzt. Hier setzt das von DUN und IBB Dortmund gemeinsam mit dem städtischen Liquidatoren-Verband „Sojus Tschernobyl“ und anderen Partnern entwickelte Projekt an.

Business-Pläne für soziale Unternehmen sind das Ziel

Im Rahmen mehrerer Trainings sollen insgesamt 35 Vertreter von Behinderten- und Tschernobyl-Verbänden aus der Region Charkiw befähigt werden, ihre Mitglieder umfassend zu Beschäftigungsmöglichkeiten zu beraten sowie umsetzungsfähige Businesspläne für soziale Unternehmen zu entwickeln. Dabei werden sie von Experten wie Tatjana Kostenko unterstützt, die als Vorsitzende eines Behindertenverbands in der Stadt Charkiw erfolgreich mehrere soziale Unternehmen in der Region betreibt. „Formal ist es ganz einfach ein soziales Unternehmen zu gründen. Es kommt aber darauf an, eine Nische zu finden und andere Menschen für die Idee zu begeistern. Solche Ideen werden wir gemeinsam in unseren Seminaren entwickeln.“

Hindernis für den Erfolg: Die breite Öffentlichkeit reagiert negativ bis passiv

Als großes Hindernis für den Erfolg sozialer Unternehmen sehen einige Projektteilnehmer die negative oder passive Einstellung von Behörden und Öffentlichkeit. So sehen die Behörden beispielsweise nur, dass soziale Unternehmen weniger Steuer zahlen und dem Staat dadurch Einnahmen entgehen. Dass durch die erfolgreiche soziale Integration von Behinderten zugleich die staatlichen Sozialausgaben verringert werden, wird hingegen in der Regel nicht mitbedacht. Um mehr öffentliche Unterstützung zu erhalten, werden die am Projekt teilnehmenden Organisationen daher auch gemeinsam eine öffentliche Kampagne zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2014 entwickeln.

Bis zum Projektende im September 2015 sollen Selbsthilfeinitiativen in drei Pilotregionen des Gebiets Charkiw Beratungsstellen aufbauen, die Behinderten bei der Arbeitsvermittlung und beim Aufbau sozialer Unternehmen helfen werden.

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